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Berichte 2009
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Mit dem Zelt zu mehr Selbstständigkeit

Bauen ihre Zelte auf dem Sunthauser Campingplatz selbstständig auf (v.l.): Patrick, Jens und Dennis von der „Sternschnuppe“ Biesingen.          

Foto: Oehl

 

 

 

 

Jeder, der einmal campen war, weiß es: Ein Zelt aufzubauen kann kompliziert sein. Bis man das Prinzip durchschaut, die Stangen in die richtigen Schlaufen und die Haken in die passenden Ösen gehängt hat ist manchmal viel Geduld nötig. Für den 17-jährigen Patrick, einen lebenslustigen Jungen, der unter Verhaltensstörungen leidet und geistig und seelisch behindert ist, ist es eine besondere Herausforderung. Doch er lässt sich auch von Fehlern nicht entmutigen, versucht es immer wieder. Und mehr als kurze Unterstützung gewährt er Außenstehenden nicht. „Ich mach das selbst“, sagt er dann.

Patrick, der sonst in der „Sternschnuppe“ Biesingen – der Außenwohngruppe des Kinderhauses am Buchberg in Behla – wohnt, durfte diese Erfahrung nun gemeinsam mit zwei anderen Jugendlichen seiner Gruppe auf dem Sunthauser Campingplatz machen. Das Ziel des Projekts: Die jungen Männer, die ansonsten von ausgebildeten Pädagogen betreut werden, sollen lernen, im Alltag selbstständig zu Recht zu kommen.

Dem Ausflug ins nahe Sunthausen war eine intensive Vorbereitung vorausgegangen. „Um ‚lebenspraktische Fähigkeiten' zu erlernen, bekamen sie zum Beispiel eigenes Haushaltsgeld, mit dem sie selbst Lebensmittel kaufen sollten“, erzählt Christine Raddatz-Markwart. Sie ist Gruppenleiterin der Biesinger „Sternschnuppe“, in der Kinder und Jugendliche wie Patrick eine intensive verhaltenstherapeutische Betreuung erfahren. Das Experiment „Campingplatz“ ist für Raddatz-Markwart „der nächste Schritt“.

„Man muss die Jugendlichen sehr gut kennen und wissen, wem man es zumuten kann, das alleine zu stemmen“, sagt sie. Mit den ersten zwei Jugendlichen, die vergangene Woche am Sunthauser See im Zelt schlafen durften, habe es jedoch überhaupt keine negativen Erfahrungen gegeben. „Und auch die drei, die es gerade machen, sind unheimlich stolz darauf“, erzählt sie.

Das merkt man deutlich, wenn man Patrick und die beiden Brüder Jens (16) und Dennis (15) auf dem Campingplatz beobachtet. Auf ihren Gesichtern liegt ein Lächeln, als sie ihre Fahrräder, Rucksäcke und die Taschen mit den Zelten über die Anlage schieben. „Der Platz ist doch super“, sagt Dennis und beginnt gemeinsam mit Jens das Wirrwarr aus Stangen und Planen in die richtige Form zu bringen. Für Jens, der schon sechs Jahre in der „Sternschnuppe“ lebt, ist der Campingplatzbesuch ein Erlebnis. „Ich kann draußen besser schlafen“, sagt er und erzählt davon, dass er Bewegung und Sport im Freien liebt.

Dass drei Jugendliche wie die „Sternschnuppen“-Jungs ohne Komplikationen auf einer Campinganlage übernachten dürfen, in der sich sonst viele – auch ältere – Stammgäste aufhalten, ist eigentlich nicht selbstverständlich. Doch für Monika Burkhardt und Harald Langanke, die Pächter der Anlage, ist es eine Ehrensache. „Wenn wir hier mitwirken können, dass die Jugendlichen selbstständig zu leben lernen, sind wir gerne dabei“, sagt Langanke. Es fasziniere ihn sehr, wie glücklich die jungen Männer eine eigentlich unspektakuläre Sache wie das Zelten mache.

Und als Monika Burkhardt gerade Patrick beim Zeltaufbauen erneut ihre Hilfe anbieten will, wird sie mit den ersten positiven Auswirkungen des Projekts konfrontiert. Helfen war gestern – denn hier und heute am See bauen sich die Jugendlichen mit ihren eigenen Zelten auch ein Stückchen Selbstständigkeit auf.

Moritz Oehl

Südkurier 04.06.09

 

Ein Ständchen für die Besucher

In Biesingen tut sich was: Seit 1997 werden im Kinderhaus am Buchberg Kinder und Jugendliche in Vollzeit betreut – und das mit Erfolg. Davon machten sich am Wochenende zahlreiche Besucher des Tags der offenen Tür ein Bild.

Sangen zur Begrüßung der Gäste: Die „Sternschnuppen“ vom Kinderhaus am Buchberg.

 

Foto: Arff-Schenk

Biesingen – Die große Hausbesichtigung kam gleich nach dem selbst gedichteten Begrüßungslied. Der zwölfjährige Max und sechs weitere Kinder und Jugendliche sind in der „Sternschnuppen-Gruppe“ zuhause.

Patrick (17) hatte extra DJ Ötzis Lied umgeschrieben in „Einen Stern, der unseren Namen trägt, hoch am Himmelszelt, den schenk ich Euch heut Nacht, einen Stern der unseren Namen trägt, alle Zeit überlebt! Und über unsre Gruppe wacht!“ Im selbstgefärbten und mit Namen bemalten T-Shirt empfingen sie die Besucher.

„Leben lernen + Liebe leben“ lautet die Devise der gemeinnützigen GmbH. 1946 von zwei Kinderkrankenschwestern als Säuglingspflegeheim in Blumberg gegründet, wurde es zum „Kinderheim Freude“. Als Lothar und Irene Huber es 1979 übernahmen und umbauten war das „Kinderhaus am Buchberg“ geboren. Heute gibt es das Haupthaus in Behla, die intensiv-pädagogische Gruppe in Fützen zusammen mit der eigenen Barke-Schule, die auch online-unterstützten Fernunterricht bietet sowie zwei Außenstellen in Spanien. Die familiäre Außenwohngruppe Biesingen kam 1997 hinzu und die „Sternschnuppen“ sind im Kern seit 2002 zusammen.

Christine Raddatz-Markwardt, Leiterin des Hauses, begrüßte Kinderhaus-Chef Klemens Krause-Sittnick und den Bad Dürrheimer Jugendpfleger Markus Thoma. Sie freute sich sehr, dass Bürgermeister Walter Klumpp und vierzig weitere Gäste gekommen waren. Nur Frau Merkel ließ sich entschuldigen. Es sei zeitlich einfach nicht zu schaffen, antwortete die persönliche Kanzler-Referentin auf die Anfrage von Alexander Faludi. Der Jugendheimerzieher im dritten Lehrjahr hatte tatsächlich nach Berlin geschrieben. Im gemeinsamen Flur der fünf Betreuer und sieben Jugendlichen hängt der amtliche Gruß nun und alle drängten sich mit viel Interesse, Kuchen, Grillwurst und Sekt vorbei.

Zwei Erzieher sind stets als feste Bezugsperson nach Schulschluss der Kinder im Haus. Man kocht zusammen, Zimmer müssen selber aufgeräumt werden und einmal die Woche versammeln sie sich zur Flocki-Runde. „Wir besprechen, was gut geklappt hat oder auch nicht. Es werden Smileys gesammelt auf dem großen Plan in der guten Stube. Jeder darf sich ein Ziel setzen, wie Kino oder Disco. Ich möchte mit Christine amerikanisch Essen gehen. Nächste Woche hab ich bestimmt genug Punkte zusammen, dann fahren wir zu zweit nach Donaueschingen, “ erklärt Markus. Der 18-jährige ist fast „flügge“, er hat die Lageristenprüfung im Juni vor sich und wird übernommen. Wieder eine „Sternschnuppe“, die selbstständig wird und wegziehen kann!

Südkurier 29.04.2009

 

   

 

 

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